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Gran Canaria individuell: Mehr als Sonne, Strand und Sangria

Individual-Urlauber entscheiden sich nicht allzu häufig für die Kanaren, wenn sie nach außergewöhnlichen Reisezielen suchen. Und gerade zu Gran Canaria fallen einem zunächst meist nur negative Assoziationen ein: Überfüllte Strände mit Horden gemästeter Pauschalurlauber und eine Betonwüste bestehend aus Hotelbunkern und Einkaufszentren. Doch das miese Herbstwetter und die erschwinglichen Flugtickets sind für viele dann doch Grund genug, diese zu Unrecht oft verschmähte Insel zu besuchen – um dann festzustellen, dass Reisen nicht nur bildet, sondern auch hilft, so manches Vorurteil abzubauen.

Eine Insel wie ein ganzer Kontinent

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Altstadt von Las Palmas: Holzbalkon an der Casa de Colón

Obwohl die Kanarischen Inseln zu Spanien gehören, haben sie klimatisch nicht viel mit Europa gemein. Auf der Höhe der Südsahara gelegen, ist das Klima auf den Inseln im Grunde das ganze Jahr über frühlingshaft bis sommerlich. Die heiße Luft der Sahara wird durch die Winde des Atlantiks auf meist angenehme Temperaturen um die 25 Grad Celsius abgekühlt. Es ist dieses spezielle Klima, das für den Tourismusboom auf den Kanaren mittlerweile seit Jahrzehnten verantwortlich ist – doch Gran Canaria hat sehr viel mehr zu bieten als angenehme Temperaturen.

Obwohl die Insel einen Durchmesser von gerade einmal 50 Kilometern hat, sieht man schon vom Flugzeug aus, dass Radfahren auf Gran Canaria eher was für Leistungssportler ist: Steile Bergstraßen und felsige Steinwüsten dominieren das Bild der Insel aus dem Flieger. Wer Gran Canaria wirklich erkunden will, sollte sich einen Mietwagen zulegen oder den Bus nehmen.

Aufgrund der geringen Größe der Insel kann man seine Homebase im Grunde in jedem beliebigen Teil der Insel aufschlagen. Pauschalurlauber bevorzugen die Sandstrände des Südens, Individualisten zieht es aber auch durchaus in den Norden der Insel, wo sich die Inselhauptstadt Las Palmas de Gran Canaria befindet. Las Palmas ist die größte Stadt der Kanaren. Und da hierhin die Wolken aus dem deutlich wärmeren Süden der Insel ziehen und abregnen, gehört Las Palmas weltweit zu den Städten mit dem besten Klima. Die warme Luft ist gepaart mit einer mehr oder weniger lockeren Wolkendecke, die dafür sorgt, dass man auch tagsüber nicht von der Sonne verbrannt wird. Der Frühling dauert hier das ganze Jahr über – für Freunde moderater Temperaturen ein Paradies!

Las Palmas hat zwei Stadtstrände: Las Canteras und Alcaravaneras. Las Canteras befindet sich in einer geschützten Bucht, die von hohen Felsgipfeln umgeben ist: Ideale Bedingungen für Badegäste, zumal die Felsen die ankommenden Wellen des Atlantiks in ihrer Wucht abbremsen.

Ausgangspunkt der Conquistadores

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Folklore-Shopping in Las Palmas: Einige Hinterhöfe sind wahre Juwelen

Die Kanarischen Inseln waren jahrhundertelang der Ausgangspunkt für Schiffe, die nach Südamerika, Afrika und Indien aufbrachen. Das spiegelt sich sowohl in der örtlichen Architektur als auch in der Kultur wieder. Und sogar die Pflanzenwelt blieb vom kolonialen Erbe der Kanaren nicht unberührt. Die modernen Hochhäuser der Inselhauptstadt erinnern ein wenig an Rio der Janeiro, während in der Innenstadt der Baustil der Kolonialzeit das Stadtbild prägt.

Typisch hierfür sind die hölzernen Balkone, die hauptsächlich in der Altstadt zu sehen sind, vor allem in der Nähe der Kathedrale Santa Ana. Direkt dahinter befindet sich die Casa de Colón – das Haus, in dem Christopher Columbus sich auf seine erste Reise nach Amerika 1492 vorbereitete. In dieser Zeit fiel auch der Startschuss für den Bau der Kathedrale, der mehr als 70 Jahre dauerte.

Gran Canaria schaut jedoch auf eine sehr viel ältere Kultur zurück, lange vor der Zeit Kolumbus‘ und der Conquistadores. Bereits zur Römerzeit waren die Kanaren als ‚Glückliche Inseln‘ in Europa bekannt. Bis ins 15. Jahrhundert hinein war der größte Teil der Inseln von Guanchen bewohnt, die mit den Berbern verwandt sind. Die Guanchen verfügten über eine eigene Sprache und wohnten in Häusern, die in  den Fels gehauen waren. Erst die Ankunft der Spanier setzte der Kultur der Guanchen ein jähes Ende, ihre Spuren sind aber immer noch sichtbar. So etwa in den Überresten der alten Felsbehausungen und Malereien, von denen nur noch wenige erhalten sind. Immerhin hat sich auf der Insel La Gomera bis heute die Guanchen-Sprache El Silbo erhalten. Die typischen Pfeiflaute der Sprache machte eine Verständigung über große Entfernungen möglich.

Dort, wo die Kakteen wachsen

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Wüstenlandschaft in den Dünen von Maspalomas

Entgegen landläufiger Vorurteile bietet Gran Canaria landschaftlich viel mehr als Sandstrände, an denen Bier und Sangria getrunken wird. Der Großteil der Insel besteht aus Nationalparks und Reservaten, in denen eine reichhaltige Fauna und Flora gedeiht.

Das macht sich auch in den Städten bemerkbar: Ein Meer exotischer Blüten schmückt die Blumenkästen der Straßen und Gassen, in den Baumwipfeln der Parkanlagen flattern Papageien und Kanarienvögel.

Wenige Kilometer von Las Palmas entfernt befindet sich der botanische Garten Jardín Canario, der einen ersten Überblick über die Planzenwelt der Insel bietet. In dem weitläufigen Park erwartet die Besucher eine faszinierende Sammlung lokaler und eingeschleppter Gattungen, die mit den spanischen Eroberern auf dem Wasserweg aus den Kolonien nach Gran Canaria gefunden haben.

Die gigantischen Sukkulenten sind ebenso beeindruckend wie die Drachenbäume und Dattelpalmen, die man auf der gesamten Insel findet. Im Park trifft man auch auf die kanarische Rieseneidechse, die bis zu einem halben Meter lang wird und nur auf den Kanaren vorkommt.

Der abgebrochene Finger Gottes

Die heißesten Orte der Insel befinden sich im Süden. Nach nur einer knappen Stunde Autofahrt wechselt das frühlingshafte Wetter zu einer zuweilen brütenden Hitze. Hier in der Nähe des touristisch geprägten Ortes Maspalomas findet man die kilometerlangen Strände aus den Urlaubskatalogen. Man möchte eigentlich wieder ins Auto steigen und zurückfahren – wäre da nicht die atemberaubende Dünenlandschaft am Rande von Maspalomas.

Unterwegs an der Ostküste der Insel lohnt sich ein Abstecher nach Agaete. In dem idyllischen Fischerort kann man nicht nur gut und günstig Fisch essen. Die weiß getünchten Häuserwände der romantischen Straßen und Gassen strahlen so hell, dass sie den Betrachter blenden.

Das Städtchen ist umgeben von azurfarbenem Wasser und hohen Klippen, die aus dem Meer ragen. Einer dieser Felsen gehörte bis vor wenigen Jahren zu den touristischen Attraktionen der Insel: Der Dedo del Dios bzw. der Finger Gottes. Die Felsformation erinnerte an einen nach oben gerichteten Finger. Doch der Tropensturm Delta zerstörte im Jahr 2005 dieses Wahrzeichen Gran Canarias. Eine zeitlang bestanden Überlegungen, den Dedo del Dios aus dem Meer zu fischen und wieder am Fels zu befestigen, doch diese wurden wieder verworfen.

Schau mich nicht so an

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Vorsicht auch bei gut besuchten Restaurants: Nicht alles, was auf den Tisch kommt, schmeckt.

In den kleinen Restaurants von Agaete werden die Gäste mit kanarischen Spezialitäten verwöhnt, die hauptsächlich aus dem Meer kommen. Die traditionelle kanarische Küche ist eine Mischung aus spanischen, afrikanischen und südamerikanischen Einflüssen. Zu den wichtigsten Bestandteilen gehört natürlich das ausgezeichnete Olivenöl der Insel, zu den oft leichten Gerichten mit viel Gemüse werden verschiedene Mojo-Soßen serviert. Als Beilage werden in der Regel Papas Arrugades serviert: Kleine Pellkartoffeln, zu denen eine pikante rote Soße gereicht wird.

Neben Fisch und vielen Arten von Krustentieren findet man auf fast jeder Speisekarte Tintenfische in verschiedenen Variationen: gebacken oder gebraten ist Tintenfisch eines der beliebtesten Gerichte der Insel. Und für so manchen kostet es einige Überwindung, die besonders zarten Babytintenfische zu essen, die einen vom Teller aus anzugucken scheinen.

Von Frühling bis Herbst in 20 Minuten

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Von 30 Grad auf 15 Grad in 20 Minuten: In den Bergen ist es oft kühl

Wer auf der Insel unterwegs ist, merkt schnell, dass die Klimazonen auf Gran Canaria recht nah beieinander liegen. Temperaturunterschiede von 10 bis 15 Grad zwischen Strand und Gebirge sind keine Seltenheit. Daher sollte man auf Ausflugstouren immer auch einen Pullover oder eine Jacke mitnehmen. Das gilt vor allem für Touren ins Zentrum der Insel.

Auf dem Weg zum höchsten Punkt der Insel fährt man durch felsige Wüstenlandschaften und vernebelte Täler und landet schließlich im trockenen aber oft sehr kühlem Klima des Gebirges.

Der Pico de las Nieves ist mit 1.949 Metern der höchste Gipfel der Insel. Von oben hat man bei schönem Wetter einen grandiosen Ausblick auf den sonnigen Süden der Insel und auf den oft wolkenverhangenen Norden Gran Canarias.

Auf dem Rückweg in den Norden lohnt sich ein Abstecher in das Dorf Teror. Trotz des irritierenden Namens ist Teror ein liebenswertes Örtchen, in dem man eine vorbildlich erhaltene kanarische Architektur antrifft.

Küste der schlafenden Vulkane

Weit im Norden der Insel, hinter dem Arbeiter- und Fischer-Stadtteil La Isleta, befindet sich die Küste El Confital. Der von Vulkanfels geformte Küstenabschnitt gehört zu den eindrucksvollsten Naturspektakeln der Insel. Hier treffen die hohen Wellen des atlantischen Ozeans mit voller Wucht gegen das dunkle Lavagestein und nur wenige todesmutige Surfer trauen sich an dieser Stelle ins Meer um sich den ultimativen Adrenalin-Kick zu holen. Die dramatische Szenerie eigent sich hervorragend für aufregende Fotomotive und ist so ziemlich das Gegenteil vom Klischee des typischen Granne-Panoramas mit Sonne, Strand und Sangria.

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